Jul 192015
 

Geschrieben von Antje

Meist wird ein Kind nach der Scheidung der Eltern von einem Elternteil allein betreut, während der Elternteil den finanziellen Unterhalt leistet. Allerdings gibt es auch das so genannte „Wechselmodell“, bei dem sich die Eltern in Kinderbetreuung und Erziehung abwechseln. Dabei stellt sich oft die Frage, wie hier die Zahlung des Barunterhalts geregelt ist.

Was passiert beim Wechselmodell?

Oft machen die Eltern unter sich aus, wie das Wechselmodell gelebt werden soll. So ist es denkbar, sich wöchentlich, zweiwöchentlich oder auch monatlich mit der Betreuung des Kindes abzuwechseln. In manchen Fällen wird auch eine Betreuung nach Wochentagen aufgeteilt. Grundsätzlich gilt: Betreut nur ein Elternteil das Kind, ist der andere zur Zahlung von Kindesunterhalt verpflichtet. Sobald aber das Wechselmodell praktiziert wird und sich beide Eltern an Erziehung und Betreuung beteiligen, wird von jedem Elternteil ein so genannter Naturalunterhalt geleistet. Wird ein Kind selbst aufgezogen, dann wird im Normalfall kein Barunterhalt gezahlt.

Keine feste Regelung für Barunterhalt

Eine feste Regelung wurde für die Zahlung von Barunterhalt beim Wechselmodell per Gesetz nicht festgehalten. Je nach Dauer der Betreuung kann unter Umständen ein Barunterhalt zu zahlen sein. So wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofes (Aktenzeichen XII ZR 126/03) festgelegt, dass der Vater, bei dem das Kind ein Drittel der Zeit lebt (bei der Mutter zwei Drittel) zur Zahlung von Barunterhalt verpflichtet wurde.

Ein echtes Wechselmodell liegt laut Entscheidung des Bundesgerichtshofes nur vor, wenn sich die Eltern die Betreuung in einem Verhältnis 50:50 teilen (Aktenzeichen XII ZR 161/04). In diesem Fall müssen auch beide Elternteile Barunterhalt leisten, bei dessen Berechnung jedoch der Naturalunterhalt Berücksichtigung findet. Grundsätzlich wird hier davon ausgegangen, dass der Unterhaltsbedarf des Kindes aufgrund des häufigen „Wechsels“ der Eltern erhöht ist. Somit richtet sich der Bedarf nach dem gemeinsamen Einkommen und Vermögen der Eltern und wird dann entsprechend den Richtlinien der Düsseldorfer Tabelle errechnet.

Wie verhält es sich mit dem Kindergeld?

Ob Wechselmodell, oder nicht: Der Wohnsitz kann nur einmal angemeldet werden. Somit kann das Kind auch nur bei einem Elternteil gemeldet sein, der in der Regel auch das Kindergeld erhält. Beim Wechselmodell erfolgt keine Anrechnung des Kindergeldes auf den Unterhaltsbedarf des Kindes (OLG Düsseldorf, Beschluss vom 20. Juni 2013, Aktenzeichen II-7 UF 45/13). Liegt ein echtes Wechselmodell mit einer Teilung der Erziehung und Betreuung von 50:50 vor, dann bekommt der Elternteil, bei dem das Kind nicht gemeldet ist, die Hälfte vom Kindergeld.

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