Jul 032015
 

Geschrieben von Michael

Wenn es hier um BDSM-Angelegeheiten ginge, könnte man sagen: Bindungsängste? Na dann eben zuerst einmal ordentlich auspeitschen! Aber wir wollen hier jetzt nicht über Fetische sprechen oder uns gar darüber lustig machen, sondern über ein ernsthaftes Problem, das in vielen Beziehungen nach einiger Zeit aufs Tapet kommt, sinnieren: das Zögern des Partners, den nächsten Schritt zu gehen. Sich quasi zur Beziehung zu bekennen. Da wird dann oft tief in die Ausreden-Kiste gegriffen. 

1000 gute Gründe gibt es plötzlich, warum eine fixe Partnerschaft oder gar eine Lebensgemeinschaft nicht oder noch nicht eingegangen werden kann:

„Es ist noch zu früh!“
„Ich muss mir erst über meine Gefühle klar werden!“
“Meine Mutter wäre sehr enttäuscht, wenn ich bei ihr ausziehe!“
Und so weiter.

Oft heisst es aber einfach nichts anderes als: Das, was wir beide da miteinader haben, ist ok, aber mehr will ich nicht.  

Die Bindungsangst des Einen ist immer gleichzeitig die Enttäuschung des Anderen, der plötzlich bemerkt, dass die Dinge nicht so stehen, wie er dachte.

Wer A sagt, sagt nicht immer auch B

Man kann hier aber nicht von arglistiger Täuschung sprechen. Eine Beziehung ist ein Prozess, eine Entwicklung. Niemand kann schon am Anfang festlegen, ob er sich zum Zeitpunkt X entschieden haben wird, eine Beziehung weiter zu vertiefen. Andererseits könnte sich alles schon nach kurzer Zeit wieder ändern. Das Prinzip Hoffnung kann hier ohne weiteres zur Anwendung gelangen.

Wer leidet eigentlich wirklich darunter? 
Es zeigt die Praxis: Männer leiden weitaus häufiger unter der Angst, irgendetwas zu versäumen. Und gleichzeitig ist das nicht ganz richtig, denn eigentlich sind es eher die Frauen, die unter den Bindungsängsten ihrer Männer leiden. Oder nicht? 

Dieses „offen lassen von Hintertüren“ mag im ersten Moment unfair und desillusionierend sein, aber ist eben auch eine Form von nötigem Respekt, dies zu akzeptieren.

Und was kann man nun dagegen tun?

Abwarten und Tee trinken ist die eine Möglichkeit. Die Beziehung wegen fehlender Perspektive zu beenden, wäre die andere. Keinesfalls sollte Druck ausgeübt werden, denn das würde den bindungsscheuen Partner erst recht in seiner Position bestätigen. Man kann niemanden in eine Lebensgemeinschaft hinein zwingen. Sicher ist jedoch, dass das bekannt werden von Bindungsängsten ein Knackpunkt ist, eine Chance. Denn nun kann man diese Beziehung neu justieren. 

 Posted by at 5:33

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