Jul 032015
 

Geschrieben von Michael

Streit ist immer unsinnig, ja sinnlos. Das muss man einmal klipp und klar feststellen. Noch nie hat jemand wirklich irgendwas dabei gewonnen. Aber Streit ist auch unvermeidbar. Menschen sind so gestrickt. Die vermeintlich gute Nachricht: Je ungleicher das Machtverhältnis aufgeteilt ist, desto weniger wird gestritten. Wer sagt: „Also bei mir daheim hat die Frau die Hosen an“ gibt zu Protokoll, dass dort wohl nicht sehr viel gezankt wird, denn die Rollen scheinen strikt verteilt.

Machtverhältnis? Sollten nicht beide Teile gleichberechtigt sein?

Wenn sich auf lange Sicht alles durch abwechselnde Rollenaufteilung irgendwie ausgleicht, sind ohnehin beide gleichberechtigt.
Doch zu jeder Zeit gibt es im sozialen Miteinander ein Machtgefälle. Und meistens ändert sich das auch dauernd. Ron Smothermon widmet in seinem Pflichtlektüre-Buch „Drehbuch für die Meisterschaft im Leben“ dem Thema „Machtgeber – Machtempfänger“ ein eigenes Kapitel und meint darin sehr treffend, dass es in Beziehungen immer eine Rollenaufteilung gibt, sonst würde die Beziehung gar nicht funktionieren. Wenn es zwei Chefs gibt und niemanden, der im Bedarfsfall zurücksteckt, wird es da auch niemals etwas geben wie „bedingungslos hinter dem anderen stehen“, Loyalität oder stille Übereinkunft. Die Beziehung wird irgendwann wegen Unnachgiebigkeit beider Parteien sterben.

Nicht zu streiten heisst nicht automatisch auch Harmonie

Wenn Streit in einer Partnerschaft ausbleibt, weil man sich ohnehin nicht mehr um den anderen und seine Meinung schert, ist es zwar ruhig im Haus, aber von Harmonie kann ja dann keine Rede sein, eher von Desinteresse.

Oft ist Streit aber einfch nur ein Ventil, das man kurz einmal aufmacht, damit Dampf abgelassen werden kann. Das vermeidet dann sogar ärgere Krisen.

Und wenn die zwei richtigen aufeinandertreffen, kann Streiten sogar etwas wirklich Belebendes und Freudvolles sein. Wenn die Beziehung auf einem guten Fundament steht und keiner der beiden sich oder seine eigenen Standpunkte todernst nimmt, ist Streiten oft fast schon wie lautes Flirten.

 Posted by at 5:34

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